Mutalk 2: Der „Maulkorb“ für Spracheingaben im Detail

Geschäftsfrau führt im Zug ein vertrauliches Telefonat mit einem Schallschutz-Mikrofon

Mutalk 2 heißt ein ungewöhnliches Gadget des japanischen Herstellers Shiftall, das im Netz längst einen wenig schmeichelhaften Spitznamen trägt: „Maulkorb für Gamer“. Tatsächlich erinnert das schalldichte Funkmikrofon optisch an eine Mischung aus Atemmaske und VR-Zubehör und genau dort liegt auch seine Zielgruppe. Wer nachts im Voice-Chat lautstark Kommandos gibt, in der Bahn ein vertrauliches Meeting führt oder im Großraumbüro telefonieren muss, ohne Kollegen zu stören, spricht künftig einfach in die Kunststoffschale vor dem Mund. Die Umgebung hört fast nichts, die Gesprächspartner am anderen Ende dagegen alles. Klingt nach Science-Fiction, aber wie gut funktioniert das Prinzip wirklich, und welche Konkurrenten tummeln sich inzwischen in dieser kuriosen Nische?

Schalldämpfung nach dem Helmholtz-Prinzip

Das Grundprinzip des Mutalk 2 stammt ursprünglich aus einem Konzept der Panasonic Future Life Factory und wurde von Shiftall zur Serienreife gebracht. Im Inneren der Mundschale arbeitet ein sogenannter Helmholtz-Resonator: Hohlkammern schlucken die Schallenergie der Stimme, bevor sie nach außen dringen kann. Laut Hersteller reduziert das Gerät die eigene Sprechlautstärke um mehr als 20 Dezibel, im hohen Frequenzbereich zwischen 1.600 und 2.000 Hertz, also etwa beim Rufen oder Schreien, sogar um über 30 Dezibel. In normaler Umgebung soll eine direkt daneben sitzende Person nicht mehr verstehen können, was gesprochen wird. Details zu den Messwerten finden sich auf der Produktseite von Shiftall.

Der Clou für den Alltag ist die automatische Stummschaltung: Steht das Mikrofon aufrecht auf dem Schreibtisch, ist es gemutet. Erst wenn es an den Mund geführt wird, schaltet es sich aktiv. Peinliche „Ihr Mikrofon ist noch an“-Momente in Videokonferenzen gehören damit der Vergangenheit an.

Ausstattung: Vom USB-Dongle bis zum Nasenpolster

Gegenüber dem ersten Mutalk hat Shiftall beim Nachfolger vor allem an der Klangqualität gearbeitet. Ein neues Mikrofon samt überarbeiteter Innenstruktur nimmt auch tiefe Stimmlagen besser auf, ein beiliegender USB-Dongle drückt die Latenz auf rund 40 Millisekunden bei der Mikrofoneingabe, also deutlich flotter als eine klassische Bluetooth-Verbindung. Alternativ funktioniert das Gerät per Bluetooth 5.3 mit Multipoint für zwei Geräte gleichzeitig oder kabelgebunden als USB-Audio-Gerät. Ein 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss macht das Mutalk 2 zudem zum vollwertigen Headset für Smartphones.

Interessant ist das Zubehör: Neben einem klassischen Mundpolster liegt ein Polster bei, das zusätzlich die Nase abdeckt. Das verhindert den nasalen Klang, der beim Vorgänger häufig kritisiert wurde, und sorgt für eine natürlichere Stimmwiedergabe. Beide Polster sowie das Feuchtigkeitskissen lassen sich abnehmen und mit Wasser reinigen – bei einem Gerät, das direkt vor Mund und Nase sitzt, keine Nebensächlichkeit. Der Akku hält etwa zehn Stunden durch, geladen wird per USB-C, ein abnehmbares Kopfband erlaubt freihändige Nutzung beim Zocken oder in der VR. Mit 188 Gramm und einem Preis von 199 US-Dollar bewegt sich das Gerät im Rahmen dessen, was auch hochwertige Gaming-Headsets kosten.

Für wen sich der Schallschutz lohnt

Junger Mann spielt am Computer und trägt ein schwarzes Schallschutz-Mikrofon

Shiftall nennt drei Kernszenarien: VTuber und Streamer, die nachts senden, ohne Mitbewohner oder Nachbarn zu wecken; VR- und Metaverse-Nutzer, die sich im Eifer des Gefechts gern mal im Ton vergreifen; und Berufstätige, die vertrauliche Telefonate in Cafés, Zügen oder offenen Büroflächen führen müssen. Gerade der letzte Punkt hat durchaus Substanz, denn abgehörte Geschäftstelefonate in der Bahn sind ein reales Sicherheitsrisiko, gegen das bislang nur Flüstern oder teure Telefonkabinen halfen.

Alternativen: Diese Anbieter setzen ebenfalls auf Stille

Shiftall ist mit der Idee längst nicht mehr allein. Der prominenteste Konkurrent kommt aus Frankreich. Die Skyted Silent Mask wurde in Zusammenarbeit mit Airbus, der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem französischen Luftfahrtforschungsinstitut ONERA entwickelt. Im Inneren steckt mit LEONAR eine Resonator-Technologie, die eigentlich Triebwerkslärm dämpfen sollte und rund 80 Prozent der Stimmfrequenzen absorbiert. Das Projekt sammelte über Kickstarter mehr als 170.000 US-Dollar ein; die kabelgebundene Variante startete dort bei etwa 249 US-Dollar, die Bluetooth-Version bei 299 US-Dollar. Besonderheiten sind ein Voice-Booster für Flüstersprache und eine Verschlüsselung direkt in der Maske.

Als Urgestein der Kategorie gilt Hushme, das sich bereits 2017 als „erste Sprachmaske für Smartphones“ vermarktete. Das Bluetooth-Gerät legt sich wie ein Bügel um Mund und Kinn und kann ausgehende Sprache auf Wunsch sogar mit Soundeffekten übertönen. Deutlich stärker auf Gamer zugeschnitten ist die Ombra V2 des Herstellers Metadox: Die Schallschutzmaske dämpft tiefe Frequenzen um 10 bis 15 Dezibel und hohe um 20 bis 30 Dezibel, lässt die Nase frei und setzt auf Silikonventile für leichteres Atmen. Ein integriertes Mikrofon ist ebenso an Bord wie die Möglichkeit, das flexible Mikrofon des eigenen Headsets einzuschleifen.

Wer es günstiger mag, findet mit dem Bloxvox eine rein passive Lösung: Die Kunststoffschale kommt komplett ohne Elektronik aus und nutzt stattdessen das Mikrofon vorhandener Kopfhörer, das in eine kleine Aussparung eingelegt wird. Dazu gesellen sich Budget-Angebote wie der Gamer Muzzle, ein USB-Aufsatz aus US-Kleinserienfertigung, sowie Forschungsprojekte wie die japanische WhisperMask, die Flüstersprache über eine leichte Stoffmaske mit großflächigem Membranmikrofon erfassen soll. Die Nische ist also lebendiger, als der erste Blick vermuten lässt.

Nischenprodukt mit klarem Anwendungsfall

Ein Schallschutzmikrofon wie das Mutalk 2 wird nie ein Massenprodukt – dafür ist der Anblick zu gewöhnungsbedürftig und das Einsatzgebiet zu speziell. Wer allerdings regelmäßig nachts streamt, in hellhörigen Wohnungen VR spielt oder unterwegs vertraulich telefonieren muss, bekommt für 199 US-Dollar ein technisch ausgereiftes Werkzeug, das ein reales Problem löst. Die zweite Generation räumt mit niedriger Latenz, besserer Klangqualität und dem Nasenpolster genau die Schwächen aus, die den Vorgänger noch ausgebremst haben. Und die wachsende Zahl an Wettbewerbern von Skyted bis Bloxvox zeigt: Der Wunsch, in einer immer lauteren Welt leise sprechen zu dürfen, ist offenbar größer, als es der Spitzname „Maulkorb“ vermuten lässt.

Quelle: Shiftall

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