
Mit einer groß angelegten Galaxy Watch Studie wollen Samsung und die University of California, San Francisco (UCSF) herausfinden, wie sich die Gehirngesundheit im Laufe des Lebens verändert. Das Projekt trägt den Namen Technology for Aging Health – Digital Approaches, kurz TAH-DA, und ist Teil der Open Innovation Initiative des südkoreanischen Konzerns. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich aus den Gesundheitsdaten einer Smartwatch verlässliche Hinweise auf die kognitive Leistungsfähigkeit ableiten lassen. Gelingt das, könnten Wearables künftig eine völlig neue Rolle in der Vorsorge übernehmen. Doch wie genau soll eine Uhr am Handgelenk dabei helfen, Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen?
Kooperation mit dem Neuroscape-Forschungszentrum
Auf Seiten der UCSF ist das renommierte Neuroscape-Forschungszentrum beteiligt, das sich seit Jahren mit der Schnittstelle von Neurowissenschaft und Technologie beschäftigt. Die Einrichtung entwickelt unter anderem digitale Diagnose- und Trainingsverfahren, mit denen sich kognitive Fähigkeiten messen und gezielt fördern lassen. Samsung bringt in die Partnerschaft seine Hardware und die langjährige Erfahrung im Bereich der Gesundheitssensorik ein.
Die Zusammenarbeit verfolgt ein klares Ziel: Aus der Kombination von biometrischen Daten und kognitiven Tests sollen sogenannte digitale Biomarker entstehen. Damit sind messbare Kennwerte gemeint, die Rückschlüsse auf den Zustand des Gehirns erlauben, ohne dass aufwendige klinische Untersuchungen notwendig sind. Praveen Raja, Vice President of Digital Health bei Samsung Research America, erklärte laut Unternehmensangaben, man wolle mithilfe der Biometriedaten der Galaxy Watch verhaltensbezogene und physiologische Vorboten eines kognitiven Abbaus identifizieren und zugleich digitale Interventionen zur Verbesserung der Kognition entwickeln.
1.000 Teilnehmende zwischen 40 und 89 Jahren
Die Rekrutierung der Probanden läuft bereits seit Anfang 2026 und erstreckt sich über ganz Nordamerika. Geplant ist eine Kohorte von insgesamt 1.000 Erwachsenen: Aus jedem Lebensjahrzehnt zwischen 40 und 89 Jahren sollen jeweils 200 Personen teilnehmen. Diese Verteilung ist bewusst gewählt, denn sie erlaubt es den Forschenden, altersbedingte Veränderungen über fünf Jahrzehnte hinweg zu vergleichen und Muster zu erkennen, die in kleineren oder homogeneren Gruppen verborgen blieben.
Gerade die Altersspanne macht das Projekt interessant. Während viele Studien zur Gehirngesundheit erst bei älteren Menschen ansetzen, beginnt TAH-DA bereits im mittleren Erwachsenenalter. Frühe Warnsignale für einen späteren kognitiven Abbau könnten sich so deutlich eher aufspüren lassen als mit klassischen Untersuchungsmethoden, die häufig erst dann zum Einsatz kommen, wenn bereits spürbare Beschwerden vorliegen.
Galaxy Watch und Galaxy Tab A9 als Studiengeräte

Jede teilnehmende Person erhält eine Galaxy Watch sowie ein Galaxy Tab A9. Die Smartwatch zeichnet über einen Zeitraum von einem Jahr kontinuierlich eine ganze Reihe von Gesundheitswerten auf. Dazu gehören die Herzfrequenz, ein EKG, der Blutdruck, die Sauerstoffsättigung des Blutes sowie die Körperzusammensetzung per bioelektrischer Impedanzanalyse. Damit entsteht ein umfassendes physiologisches Profil, das den Alltag der Teilnehmenden weit realistischer abbildet als punktuelle Messungen in einer Klinik, weil die Sensoren rund um die Uhr und unter realen Lebensbedingungen arbeiten.
Das Android-Tablet übernimmt eine andere Aufgabe: Darauf absolvieren die Probanden regelmäßig Tests und Übungen, mit denen sich die kognitive Kontrolle erfassen und trainieren lässt. Die Kombination beider Geräte ist der Kern des Studiendesigns, denn erst der Abgleich von Körperdaten und Gehirnleistung macht es möglich, Zusammenhänge zwischen physiologischen Signalen und kognitiven Veränderungen aufzudecken.
Remote-Studie über die Nexus-Plattform
Bemerkenswert ist auch der organisatorische Ansatz. Die gesamte Studie findet aus der Ferne statt, ein Besuch in einem Studienzentrum ist also nicht erforderlich und vereinfacht die Teilnahme enorm. Als technisches Rückgrat dient Nexus, eine von Neuroscape entwickelte Plattform für klinische Studien. Über sie wickeln die Teilnehmenden die Anmeldung ab, erteilen ihre Einwilligung, absolvieren diagnostische Tests und erhalten Zugang zu digitalen Interventionen.
Für die Betreuung haben Samsung und die UCSF zusätzlich den Dienstleister Helpsquad an Bord geholt, der den Probanden einen KI-Chatbot und einen virtuellen Assistenten zur Seite stellt. Die Identitätsprüfung bei der Einschreibung übernimmt der Anbieter didit.me. Das vollständig dezentrale Konzept senkt die Hürden für eine Teilnahme erheblich und dürfte mit dazu beitragen, die ambitionierte Zahl von 1.000 Probanden über alle Altersgruppen hinweg zu erreichen. Gerade für ältere Menschen, für die weite Anfahrtswege eine Belastung darstellen, ist dieser Ansatz ein entscheidender Vorteil.
Digitale Biomarker als Hoffnungsträger

Das übergeordnete Ziel des Projekts reicht weit über die einjährige Datenerhebung hinaus. Die Forschenden hoffen, aus den gesammelten Informationen digitale Biomarker-Technologien zu entwickeln, mit denen sich Veränderungen der kognitiven Funktion über die Zeit verfolgen lassen. Ein solches Werkzeug hätte enormes Potenzial: Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickeln sich über Jahre hinweg schleichend, und je früher Auffälligkeiten erkannt werden, desto größer sind die Chancen, gegenzusteuern.
Sollte sich zeigen, dass alltägliche Messwerte wie Herzfrequenz, Blutdruck oder Schlafmuster tatsächlich mit der Gehirnleistung korrelieren, könnte eine Smartwatch langfristig zu einem Frühwarnsystem für die kognitive Gesundheit werden. Zugleich eröffnet der Ansatz die Möglichkeit, digitale Trainingsprogramme direkt auf den Geräten anzubieten und deren Wirkung fortlaufend zu überprüfen.
Fazit: Smartwatch als Frühwarnsystem fürs Gehirn
Mit TAH-DA unterstreicht Samsung den Anspruch, die Galaxy Watch vom Fitnessbegleiter zum ernstzunehmenden Instrument der Gesundheitsforschung weiterzuentwickeln. Die Partnerschaft mit dem Neuroscape-Zentrum der UCSF verbindet massentaugliche Wearable-Technik mit neurowissenschaftlicher Expertise und setzt dabei konsequent auf ein dezentrales Studienmodell. Ob aus den Daten am Ende belastbare digitale Biomarker für die Gehirngesundheit entstehen, werden die kommenden Jahre zeigen. Fest steht schon jetzt: Die Grenze zwischen Consumer-Elektronik und medizinischer Forschung verschwimmt zusehends, und Smartwatches spielen dabei eine immer zentralere Rolle.
Quelle: Sammyguru
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