BOOX Go 6 Gen II im Test: Was kann der neue Pocket-Reader wirklich?

Der BOOX Go 6 Gen II ist ab dem 8. Juni 2026 für 199,99 EUR erhältlich und er kommt mit einem grundlegend überarbeiteten Design, nativer Stylus-Unterstützung und einem vollwertigen Android-System im Gepäck. Auf den ersten Blick klingt das nach einem klassischen BOOX-Gerät in kleiner Ausführung. Schaut man genauer hin, steckt in dem 6-Zoll-Reader aber ein Konzept, das sich von gewöhnlichen eBook-Readern spürbar absetzt: mehr Flexibilität, mehr Funktionstiefe und ein Formfaktor, der wirklich in jede Hosentasche passt. Was das im Alltag bedeutet, zeigt ein näherer Blick auf die einzelnen Eigenschaften.

Design: Koffer-Ästhetik und vier ruhige Farbtöne

BOOX hat das Gehäuse des Go 6 Gen II komplett neu gestaltet. Die Rückseite trägt jetzt griffige Längsrillen und sanft abgerundete Kanten. Inspiriert, wie der Hersteller betont, von der Silhouette eines Reisekoffers. Das ist keine pure Designspielerei: Die strukturierte Oberfläche verbessert den Grip spürbar, gerade wenn man das Gerät einhändig hält oder aus der Tasche zieht. Mit einem Gewicht von rund 160 Gramm liegt der Reader angenehm in der Hand, ohne auf Dauer zu ermüden.

Zur Auswahl stehen vier Farbtöne: Plum, Stone, Shell und Custard. Alle vier bewegen sich im gedämpften, pastellnahen Bereich. Kein grelles Plastik, kein austauschbares Schwarz. Wer Wert auf ein Gerät legt, das sich nicht wie Massenware anfühlt, wird hier fündig. Die bündige Displayoberfläche trägt zum aufgeräumten Gesamteindruck bei; Rahmen und Glas gehen ohne sichtbare Stufe ineinander über.

Display: 300 ppi, blendfrei, mit flexibler Frontbeleuchtung

Das monochrome E-Paper-Display löst mit 300 ppi auf – derselbe Wert, den Amazons Kindle Paperwhite bietet, und ausreichend für gestochen scharfen Text selbst bei kleinen Schriftgrößen. Wer regelmäßig Fachliteratur, Sachbücher oder längere Texte liest, profitiert von dieser Auflösung besonders, weil auch dichte Textspalten ohne Pixeltreppe auskommen. Die bündige, blendfreie Oberfläche macht den Reader zu einem tauglichen Begleiter im Freien – an der Strandbar, in der Mittagssonne auf der Parkbank oder im Café mit schräg einfallendem Tageslicht bleibt der Text klar lesbar, ohne dass man den Winkel ständig korrigieren müsste.

Die einstellbare Frontbeleuchtung erweitert den Einsatzbereich in beide Richtungen: abends im Bett ohne störendes Umgebungslicht, morgens im noch dunklen Zug. Der integrierte NeoReader erlaubt den schnellen Wechsel zwischen hellem und dunklem Modus und bietet darüber hinaus detaillierte Leseeinstellungen – Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand, Seitenränder, Lesethemen. Wer einmal mit einem gut konfigurierten E-Ink-Display gelesen hat, möchte die Augenfreundlichkeit gegenüber LCD-Bildschirmen nicht mehr missen.

Stylus-Support: Notizen und Anmerkungen auf 6 Zoll

Die Stylus-Unterstützung ist das auffälligste neue Feature gegenüber dem Vorgänger. In Kombination mit dem optionalen InkSense Plus-Stift verwandelt sich der Go 6 Gen II in ein digitales Notizbuch im Taschenformat. Direkt im Buch lassen sich Anmerkungen eintragen, Passagen unterstreichen oder Randnotizen hinzufügen, ohne dass man dafür ein separates Gerät oder Notizbuch mitführen müsste. Die integrierte Notizen-App nimmt außerdem freie Skizzen, Ideen und Listen auf.

Genau diese Kombination macht den Unterschied: Ein Zitat direkt beim Lesen unterstreichen, eine spontane Idee sofort festhalten, unterwegs eine schnelle To-do-Liste skizzieren – der Go 6 Gen II ist immer griffbereit, wenn ein Gedanke auftaucht. Das kompakte 6-Zoll-Format erweist sich dabei als Vorteil: Das Gerät liegt leicht in der Hand, lässt sich jederzeit aus der Tasche ziehen und ist binnen Sekunden einsatzbereit. Lesen und Notieren verschmelzen so zu einem natürlichen Workflow, der mit einem reinen eBook-Reader nicht möglich wäre.

Android und offenes Ökosystem: Nicht auf eine App festgelegt

Einer der größten Vorteile gegenüber geschlossenen Systemen wie Kindle oder Tolino: Der BOOX Go 6 Gen II läuft auf einem vollwertigen, offenen Android-System mit Zugang zum Google Play Store. Das bedeutet in der Praxis: Kindle-App, Tolino-App, Legimi, Skoobe, Nextcloud, Pocket, Instapaper, sogar Spotify oder Audible – alles lässt sich parallel installieren und nutzen. Wer seine Bibliothek auf mehrere Dienste verteilt oder auch Hörbücher konsumiert, muss sich nicht für ein einziges Ökosystem entscheiden.

Unter der Haube arbeitet ein Octa-Core-Prozessor zusammen mit 3 GB RAM – für ein E-Ink-Gerät ein solider Wert, der sich in flüssiger Navigation und schnellen App-Starts bemerkbar macht. Der interne Speicher von 32 GB reicht für Tausende von eBooks; über einen microSD-Kartensteckplatz lässt er sich bei Bedarf erweitern. Der Akku soll laut Hersteller mehrere Tage durchhalten, auch das ein Vorteil von E-Ink gegenüber LCD-Displays, die permanent Strom ziehen.

Preis und Einordnung: Für wen lohnen sich 199,99 EUR?

Mit 199,99 EUR positioniert sich der BOOX Go 6 Gen II klar im mittleren bis oberen Segment der 6-Zoll-Reader. Ein einfacher Kindle Paperwhite ist deutlich günstiger zu haben und wer ausschließlich im Amazon-Ökosystem liest und keinen Stylus braucht, fährt damit gut. Der Aufpreis beim BOOX erkauft sich ein offenes System, Stylus-Funktion, mehr RAM und eine höhere Konfigurierbarkeit. Das ist eine andere Zielgruppe: Leserinnen und Leser, die ihr Gerät nach eigenen Vorstellungen einrichten wollen, mehrere Lese- und Hördienste parallel nutzen oder auch unterwegs gelegentlich handschriftlich arbeiten.

Wer bisher ein BOOX-Tablet in größerem Format nutzt und einen kompakten Zweit-Reader sucht, der problemlos in die Jackentasche passt, findet im Go 6 Gen II einen naheliegenden Kandidaten – mit demselben Ökosystem, denselben Apps, derselben Oberfläche. Neu im BOOX-Universum? Dann lohnt es sich, auch die größeren Modelle in den Vergleich einzubeziehen, bevor man sich festlegt. Als Einstieg in offene E-Ink-Hardware ist der Go 6 Gen II aber ein gelungener Ausgangspunkt.

Das BOOX Go 6 (Gen II) ist in vielen Shops und im offiziellen BOOX-Shop erhältlich.

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