MG4 EV Urban im Fahrbericht: Chinesischer Stromer greift VW ID.3 an

Orangefarbener MG4 EV Urban fährt in einer modernen Stadt neben einem blauen VW ID.3 auf einer breiten Straße bei warmem Abendlicht.

Knapp 13.000 Euro für ein vollwertiges Elektroauto – das klingt unrealistisch. Der neue MG4 EV Urban macht es (fast) möglich. Was das Kompakt-E-Auto aus China zu bieten hat und wo es noch Luft nach oben gibt.

Leise Unterwanderung statt großem Auftritt

Während viele chinesische Autohersteller mit lautem Marketinggetrommel nach Europa drängen, ist die SAIC-Tochter MG schon seit Jahren still und leise auf dem Kontinent aktiv – das erste Modell, der vollelektrische MG ZS EV, kam bereits vor acht Jahren. Inzwischen umfasst das Lineup neun Modelle, das neueste davon ist der MG4 EV Urban: ein vollelektrisches Kompaktmodell, das direkt auf den VW ID.3 zielt.

Die Waffen im Kampf um Käufer sind klar definiert: ein europäisch anmutendes Design, ein großzügiges Platzangebot und ein Einstiegspreis von 24.990 Euro. Wer die Herstellerprämie von 6.000 Euro (gültig bis Ende Juni 2026) und mögliche staatliche Förderung kombiniert, könnte theoretisch für rund 12.990 Euro einsteigen – ein Preis, der in der Elektromobilität seinesgleichen sucht und die Messlatte für die gesamte Kompaktklasse neu setzt.

Viel Platz, kompetente Maße

Mit knapp 4,40 Metern Länge und einem Radstand von 2,75 Metern tritt der MG4 EV Urban selbstbewusst gegen klassische Kompaktklässler an. Das Ergebnis ist spürbar: Fondpassagiere profitieren von echter Beinfreiheit, und der Kofferraum fasst ordentliche 568 Liter. Wird die Rücksitzlehne umgeklappt, wächst das Ladevolumen auf 1.362 Liter an – Werte, die selbst in der Mittelklasse gut aussehen würden. Für ein Fahrzeug mit Schwerpunkt auf urbaner Mobilität ist das eine echte Stärke, die den Alltag mit Kind, Kinderwagen oder Großeinkauf erheblich vereinfacht.

Innenraum: solide, aber nicht makellos

Das Cockpit des MG4 EV Urban wirkt auf den ersten Blick aufgeräumt und gefällig. Das Lenkrad – erkennbar aus dem höherwertigen Regal der Marke – liegt angenehm in der Hand und vermittelt eine direkte, angenehme Rückmeldung. Doch der günstige Preis hinterlässt seine Spuren: An einigen Stellen zeigt sich hartes, teils nicht sauber entgratetes Plastik. Die Sitze wirken etwas schaumig und sind mit schlichtem Stoff bezogen – funktional, aber halt leider kein Premium-Erlebnis.

Wichtig zu wissen: Dieses Modell ist aktuell ausschließlich in Rot erhältlich, kommt mit der kleineren 43-kWh-Batterie und in der Ausstattungslinie Active. Wer mehr Auswahl bei Farbe und Ausstattung möchte, muss tiefer ins Portemonnaie greifen. Die Topausstattung Premium mit 54-kWh-Akku schlägt mit 31.490 Euro zu Buche.

Fahrdynamik: sparsam und willig, aber mit Tücken

Auf der Straße zeigt der MG4 EV Urban eine angenehme Seite: Die 160 PS der Premiumvariante bewegen den nur rund 1,5 Tonnen schweren Stromer flott voran – der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 9,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Das Basismodell mit 149 PS schlägt sich mit 9,6 Sekunden kaum schlechter, bietet also nahezu identische Fahrleistungen.

Beim Verbrauch punktet der Urban klar: Über eine Teststrecke von mehr als 160 Kilometern – aufgeteilt auf Autobahn, Landstraße und Stadtverkehr – zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 15,8 kWh/100 km. Das ist ein beachtlich guter Wert für diese Fahrzeugklasse und zeigt, dass MG die Effizienz-Hausaufgaben gemacht hat.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es jedoch auf nasser Fahrbahn. Die serienmäßig montierten Maxxis-Reifen zeigten bei Nässe merkliche Grip-Schwächen. Das ESP griff entsprechend früh und bestimmt ein, regelte das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern konsequent weg, was die Sicherheit wahrte, aber auf Kosten des Fahrspaßes ging. Ein Reifenwechsel auf namhaftere Fabrikate könnte hier spürbar Abhilfe schaffen.

Rekuperation: Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft

Als Stadtauto konzipiert, bietet der MG4 EV Urban eine in vier Stufen einstellbare Rekuperation. Theoretisch eine feine Sache, praktisch aber noch ausbaufähig. In keiner der vier Einstellungen gelingt echtes Ein-Pedal-Fahren bis zum Stillstand, was gerade im Stadtverkehr ein spürbarer Komfortgewinn gewesen wäre. Hinzu kommt, dass das Bremspedalgefühl je nach gewählter Stufe stark variiert: von weich und indirekt bis abrupt und ohne echtes Dosierungsgefühl. Hier besteht Nachbesserungsbedarf per Software-Update, das Potenzial ist vorhanden.

Reichweite und Laden

Mit dem 54-kWh-Akku gibt MG eine WLTP-Reichweite von über 400 Kilometern an. Das Einstiegsmodell mit der 43-kWh-Batterie soll laut Hersteller noch auf 325 Kilometer kommen – für den täglichen Stadtbetrieb in der Regel völlig ausreichend. Geladen wird am Gleichstrom-Schnelllader mit bis zu 82 kW, was für eine Ladezeit von 10 auf 80 Prozent in rund 30 Minuten reicht. Dieser Wert liegt zwar etwas unter dem, was aktuelle Konkurrenten wie der VW ID.3 bieten, ist im Alltag aber kaum ein Hindernis.

Viel Auto für wenig Geld – mit kleinen Abstrichen

Der MG4 EV Urban ist ein ehrliches, durchdachtes Angebot für budgetbewusste Einsteiger in die Elektromobilität. Viel Platz, ein niedriger Verbrauch und ein Preis, der die Konkurrenz unter Zugzwang setzt – das sind die klaren Stärken dieses Kompaktstromers. Kleinere Schwächen bei der Materialanmutung, den Reifen und der Bremscharakteristik trüben den Eindruck etwas, ändern aber wenig am insgesamt stimmigen Gesamtpaket. Wer bereit ist, etwas Kompromissbereitschaft mitzubringen, bekommt hier ein alltagstaugliches E-Auto zu einem Preis, den bislang kein europäischer Hersteller auch nur annähernd erreicht.

Quelle: Autobild

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