
Künstliche Intelligenz ist längst auf dem PC angekommen. Bisher läuft ein großer Teil anspruchsvoller KI-Anwendungen allerdings weiterhin über die Cloud. Genau an diesem Punkt setzt ASUS mit seiner neuen ProArt-Generation an. Die neuen Geräte rund um NVIDIA RTX Spark sollen genügend Leistung bieten, um auch komplexe KI-Modelle direkt auf dem eigenen Rechner auszuführen.
Vorgestellt wurden unter anderem das ASUS ProArt P16, das kompaktere ProArt P14 sowie der kleine Desktop-PC ProArt GR1X. Alle drei Modelle richten sich vor allem an professionelle Nutzer, Kreative und Entwickler. Trotzdem ist die Technik dahinter auch deshalb spannend, weil sie zeigt, wohin sich leistungsfähige PCs in den kommenden Jahren entwickeln könnten.
KI soll nicht mehr zwingend aus der Cloud kommen
Viele aktuelle KI-Dienste funktionieren nach demselben Prinzip. Nutzer geben einen Prompt ein, die Anfrage wird an externe Server geschickt und das Ergebnis anschließend zurückgesendet. Das ist bequem, hat aber Nachteile. Große KI-Modelle verursachen laufende Kosten, sensible Daten verlassen möglicherweise das eigene Gerät und ohne schnelle Internetverbindung funktioniert vieles nur eingeschränkt.
Mit RTX Spark verfolgt NVIDIA deshalb einen anderen Ansatz. Möglichst viele KI-Aufgaben sollen direkt auf dem Rechner verarbeitet werden können. ASUS greift dieses Konzept mit seiner neuen ProArt-Serie auf. Die Geräte sind nicht einfach nur normale Laptops mit einer zusätzlichen KI-Taste. Hardware und Speicheraufbau sind vielmehr darauf ausgelegt, größere Modelle und anspruchsvollere Workflows lokal auszuführen. Für professionelle Nutzer könnte das ein entscheidender Unterschied sein.
Warum 128 GB Speicher plötzlich interessant werden

Eine der auffälligsten Zahlen der neuen Geräte sind die bis zu 128 GB Unified Memory. Für einen klassischen Laptop wäre eine solche Menge Arbeitsspeicher für viele Nutzer völlig überdimensioniert. Bei KI-Anwendungen sieht das anders aus.
Große Sprachmodelle, Bildgeneratoren oder Videoanwendungen benötigen enorme Mengen an Speicher. Gleichzeitig müssen CPU und GPU möglichst schnell auf dieselben Daten zugreifen können. Genau deshalb setzt RTX Spark auf einen gemeinsamen Speicherbereich. Statt Daten ständig zwischen klassischem Arbeitsspeicher und Grafikspeicher zu verschieben, können die verschiedenen Recheneinheiten auf denselben Speicherpool zugreifen.
Für normale Office-Aufgaben bringt das kaum einen Vorteil. Bei großen KI-Modellen kann es dagegen entscheidend sein. ASUS spricht beim leistungsfähigsten Ausbau von bis zu 1 Petaflop KI-Rechenleistung. Die Zahl klingt spektakulär, ist für die meisten Käufer allein aber wenig aussagekräftig. Interessanter ist, was damit möglich werden soll.
Bilder, Videos und Sprachmodelle direkt auf dem Gerät
Die neue ProArt-Serie richtet sich besonders an Nutzer, die mit generativer KI arbeiten. Dazu gehören beispielsweise Designer, die Bilder lokal erzeugen, Videoeditoren, Entwickler von KI-Anwendungen oder Nutzer, die eigene Sprachmodelle einsetzen möchten.
ASUS nennt unter anderem Anwendungen wie ComfyUI, das für komplexe Bild- und Video-Workflows genutzt wird. Auch sogenannte KI-Agenten spielen eine wichtige Rolle. Solche Agenten sollen künftig nicht nur einzelne Fragen beantworten, sondern selbstständig mehrere Arbeitsschritte nacheinander erledigen können. Ein lokaler Rechner mit hoher KI-Leistung könnte dafür interessant sein, weil Daten und Prozesse auf dem eigenen Gerät bleiben. Gerade Unternehmen und professionelle Anwender könnten darin einen Vorteil sehen.
Das ProArt P16 bleibt trotzdem ein klassischer Creator-Laptop
Trotz des starken KI-Fokus versucht ASUS nicht, die Geräte zu reinen Entwickler-Workstations zu machen. Das ProArt P16 bleibt äußerlich ein vergleichsweise schlankes Creator-Notebook. Es besitzt ein 16 Zoll großes OLED-Display, das je nach Ausstattung bis zu 4K-Auflösung und 120 Hz bietet.
Damit richtet sich das Gerät weiterhin an Fotografen, Videoproduzenten und Designer. Interessant ist vor allem die Kombination. Nutzer könnten beispielsweise Fotos oder Videos klassisch bearbeiten und gleichzeitig KI-Modelle direkt auf demselben Rechner einsetzen. Das ist wesentlich praktischer als ein separates KI-System oder ein dauerhaft benötigter Cloud-Dienst. Mit rund 1,77 Kilogramm Gewicht bleibt das P16 zudem deutlich mobiler als eine klassische Desktop-Workstation.
Das kleinere P14 richtet sich an mobile Nutzer
Noch stärker auf Mobilität setzt ASUS beim ProArt P14. Das Gerät ist mit rund 1,48 Kilogramm leichter und besitzt ein 14 Zoll großes OLED-Display. Trotzdem kann auch hier RTX-Spark-Hardware mit großen Speicheroptionen zum Einsatz kommen. Gerade für Nutzer, die unterwegs arbeiten, dürfte das interessant sein.
Bisher bedeutete besonders hohe KI-Leistung häufig entweder einen großen Gaming-Laptop oder einen stationären Rechner. ASUS versucht nun, diese Leistung in vergleichsweise schlanke Geräte zu bringen. Ob das im Alltag funktioniert, wird allerdings auch davon abhängen, wie gut Kühlung, Lautstärke und Akkulaufzeit unter hoher Dauerlast ausfallen. Genau diese Punkte lassen sich anhand eines Datenblatts kaum beurteilen.
Der GR1X könnte sogar das spannendste Modell sein

Während P14 und P16 optisch noch klassische Notebooks sind, verfolgt der ProArt GR1X ein anderes Konzept. Der Rechner ist kaum größer als ein typischer Mini-PC und soll trotzdem dieselbe grundlegende RTX-Spark-Plattform bieten. Das macht ihn besonders interessant für Nutzer, die keine mobile Lösung benötigen.
Ein solcher Mini-PC könnte beispielsweise dauerhaft im Büro stehen und lokale KI-Modelle, Automatisierungen oder kreative Anwendungen ausführen. Denkbar wäre auch, dass mehrere Geräte im Netzwerk auf ihn zugreifen. Mit Wi-Fi 7, schnellem Ethernet und Unterstützung für mehrere Displays ist der GR1X klar auf professionelle Arbeitsplätze ausgelegt.
Langfristig könnte genau diese Geräteklasse besonders spannend werden. Statt sämtliche KI-Aufgaben an Cloud-Dienste auszulagern, könnte ein kleiner lokaler KI-Rechner im Büro oder Zuhause immer mehr Aufgaben übernehmen.
Nicht jeder braucht einen RTX-Spark-PC
Trotz aller Möglichkeiten sollte man die neue Technik einordnen. Für normale Nutzer sind diese Geräte derzeit kaum notwendig. Wer hauptsächlich im Internet surft, Office-Anwendungen nutzt, Videos streamt oder gelegentlich einen KI-Chatbot verwendet, profitiert nur wenig von 64 oder 128 GB Unified Memory. Auch viele KI-Funktionen funktionieren längst problemlos auf deutlich günstigeren Geräten.
Die neue ProArt-Serie richtet sich deshalb klar an eine spezielle Zielgruppe. Wer regelmäßig große KI-Modelle nutzt, Videos generiert, Software entwickelt oder mit professionellen Kreativprogrammen arbeitet, könnte von der zusätzlichen lokalen Rechenleistung profitieren. Für alle anderen dürfte der hohe Preis schwer zu rechtfertigen sein.
Preise zeigen den professionellen Anspruch
Das wird auch beim Blick auf die Preise deutlich. In Deutschland wird das ProArt P16 derzeit ab rund 2.999 Euro gelistet. Beim kleineren ProArt P14 beginnen die Preise je nach Konfiguration sogar noch höher. Damit konkurrieren die Geräte nicht mit normalen Alltags-Laptops, sondern eher mit mobilen Workstations und leistungsfähigen Creator-Systemen.
Die weltweiten Vorbestellungen haben bereits begonnen. Je nach Region unterscheiden sich allerdings Konfigurationen, Preise und Liefertermine. Gerade bei den Varianten mit besonders viel Speicher dürften die Preise nochmals deutlich steigen.
Lokale KI könnte künftig wichtiger werden
Trotz der hohen Einstiegspreise ist die neue ProArt-Serie technologisch sehr interessant. In den vergangenen Jahren wurde KI vor allem über immer größere Rechenzentren bereitgestellt. Gleichzeitig wächst aber der Wunsch, bestimmte Aufgaben wieder direkt auf dem eigenen Gerät auszuführen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Datenschutz, geringere Abhängigkeit von Internetverbindungen, schnellere Verarbeitung und langfristig möglicherweise niedrigere laufende Kosten.
RTX Spark zeigt, wie solche Systeme aussehen könnten. Heute richtet sich die Hardware noch an eine vergleichsweise kleine professionelle Zielgruppe. Ähnliche Konzepte dürften in den kommenden Jahren aber auch in günstigeren Geräten auftauchen.
Fazit: Spannende Technik, aber klar kein Laptop für jeden
ASUS verfolgt mit ProArt und RTX Spark einen interessanten Ansatz. Statt künstliche Intelligenz lediglich als zusätzliche Softwarefunktion zu vermarkten, wird die Hardware gezielt darauf ausgelegt, große Modelle lokal auszuführen. Besonders die Kombination aus leistungsfähiger GPU, Grace-CPU und bis zu 128 GB gemeinsamem Speicher unterscheidet die Geräte deutlich von normalen AI-PCs.
Für Kreative, Entwickler und professionelle Nutzer kann das durchaus attraktiv sein. Gleichzeitig machen Preise von rund 3.000 Euro und mehr deutlich, dass RTX Spark aktuell noch ein Spezialwerkzeug ist. Für den Massenmarkt sind die neuen ProArt-Modelle deshalb weniger spannend als für die Frage, wohin sich PCs grundsätzlich entwickeln. Wenn immer mehr KI-Anwendungen direkt auf dem eigenen Rechner laufen, könnten Geräte wie P16, P14 und GR1X einen ersten Ausblick auf eine neue Generation lokaler KI-PCs geben.
Wer nicht auf die neue RTX-Spark-Version warten möchte, findet das ASUS ProArt P16 bereits in einer leistungsstarken Variante mit Ryzen AI 9 HX 370 und GeForce RTX 5060 bei Amazon.
Quelle: ASUS