
Samsung erweitert sein Galaxy-Ökosystem um eine neue Gerätekategorie. Auf dem Galaxy-Unpacked-Event in London hat der Hersteller eine intelligente Brille vorgestellt, die gemeinsam mit Google sowie den Brillenmarken Gentle Monster und Warby Parker entwickelt wurde.
Die Samsung Smart Glasses sollen Googles KI-Assistenten Gemini direkt in den Alltag bringen. Nutzer können Fragen zu ihrer Umgebung stellen, Nachrichten beantworten, Gespräche übersetzen oder Fotos aus der eigenen Perspektive aufnehmen. Dafür besitzt die Brille unter anderem eine integrierte Kamera, Mikrofone und Lautsprecher.
Auch die Akkulaufzeit fällt für eine smarte Brille vergleichsweise großzügig aus. Samsung verspricht bis zu neun Stunden Nutzung mit einer Ladung. Ein Ladeetui soll anschließend bis zu sieben weitere vollständige Ladevorgänge ermöglichen.
Gemini erkennt die Umgebung

Das Herzstück der intelligenten Brille ist Google Gemini. Durch die Kamera kann die KI auf Wunsch erfassen, was sich gerade im Sichtfeld des Nutzers befindet. Dadurch lassen sich Fragen zu Gegenständen, Gebäuden, Pflanzen oder Texten stellen, ohne das Smartphone hervorzuholen.
Wer beispielsweise vor einer Sehenswürdigkeit steht, könnte Gemini nach deren Geschichte fragen. Auch Speisekarten, Hinweisschilder oder Produktverpackungen lassen sich erkennen und übersetzen. Die Antworten werden über die integrierten Lautsprecher ausgegeben.
Die KI soll dabei nicht nur einzelne Bilder analysieren, sondern auch den aktuellen Zusammenhang berücksichtigen. Läuft der Nutzer etwa an einem Restaurant vorbei, könnte Gemini Bewertungen abrufen, Informationen zur Speisekarte liefern oder ähnliche Lokale in der Nähe vorschlagen.
Aktiviert wird der Assistent mit dem Sprachbefehl „Hey Google“ oder über eine Berührung am Brillenbügel. Bestimmte Funktionen sollen außerdem gemeinsam mit einer Galaxy Watch gesteuert werden können.
Navigation ohne Blick aufs Smartphone
Die Smart Glasses sollen auch bei der Navigation helfen. Da die Brille den Standort und die Blickrichtung kennt, kann Gemini passende Wegbeschreibungen ausgeben. Statt ständig auf eine Karte auf dem Smartphone zu schauen, erhalten Nutzer die Abbiegehinweise über die Lautsprecher. Das könnte besonders beim Spazierengehen, auf Reisen oder beim Erkunden einer unbekannten Stadt praktisch sein.
Ob die erste Version bereits sichtbare Navigationshinweise direkt vor den Augen einblendet, ist allerdings unklar. Samsung beschreibt das vorgestellte Modell vor allem als Audiobrille mit Kamera und KI-Funktionen. Varianten mit integriertem Display könnten zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Nachrichten, Anrufe und Übersetzungen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kommunikation. Die Brille kann eingehende Nachrichten vorlesen, längere Unterhaltungen zusammenfassen und beim Verfassen von Antworten helfen. Auch Anrufe und die Musikwiedergabe lassen sich über Sprachbefehle steuern. Dadurch muss das verbundene Smartphone nicht bei jeder Benachrichtigung aus der Tasche geholt werden.
Besonders interessant ist die angekündigte Echtzeitübersetzung. Die Brille soll gesprochene Sprache erkennen und übersetzen können. Auch geschriebene Texte auf Schildern oder Speisekarten lassen sich erfassen und vorlesen.
Welche Sprachen beim Verkaufsstart unterstützt werden, hat Samsung noch nicht vollständig bekannt gegeben. Die Verfügbarkeit einzelner Funktionen kann je nach Sprache, Land, App und verbundenem Smartphone unterschiedlich ausfallen.
Fotos und Videos aus der eigenen Perspektive

Mit der integrierten Kamera können Nutzer Fotos und Videos aufnehmen, während beide Hände frei bleiben. Dadurch lassen sich beispielsweise Spaziergänge, Fahrradtouren oder besondere Erlebnisse direkt aus der eigenen Perspektive festhalten.
Auch bei Videoanrufen kann die Kamera hilfreich sein. Der Gesprächspartner sieht auf Wunsch genau das, was der Brillenträger gerade betrachtet. Das könnte unter anderem bei technischen Problemen, Reparaturen oder beim gemeinsamen Einkaufen genutzt werden.
Darüber hinaus nennt Samsung berufliche Anwendungsmöglichkeiten. Die Kamera kann Inhalte auf einem Whiteboard oder Notizen aus einer Besprechung erfassen. Gemini soll die Informationen anschließend zusammenfassen, sortieren und beispielsweise in Samsung Notes übertragen können.
Auch eine Verbindung zu Googles KI-Bildbearbeitung ist geplant. Aufgenommene Fotos könnten dadurch per Sprachbefehl verändert oder von störenden Elementen befreit werden.
Snapdragon-Chip und Ladeetui
Im Inneren der Brille arbeitet Qualcomms Snapdragon AR1 Gen1. Die Plattform wurde speziell für smarte Brillen entwickelt und verarbeitet unter anderem Kamera-, Audio- und KI-Funktionen. Gleichzeitig soll der Chip einen sparsamen Betrieb ermöglichen. Das ist wichtig, da in dem schmalen Brillengestell nur begrenzt Platz für Akku und Kühlung vorhanden ist.
Samsung nennt eine Akkulaufzeit von bis zu neun Stunden. Wie lange die Brille im Alltag tatsächlich durchhält, dürfte jedoch stark von der Nutzung abhängen. Häufige Videoaufnahmen, Navigation und intensive KI-Anfragen benötigen vermutlich deutlich mehr Energie als das gelegentliche Vorlesen von Nachrichten.
Das mitgelieferte Etui dient gleichzeitig als Ladestation. Es soll ausreichend Energie für bis zu sieben vollständige Aufladungen speichern. Dadurch könnte die Brille theoretisch mehrere Tage genutzt werden, ohne dass das Case selbst an eine Steckdose angeschlossen werden muss.
Designs von Gentle Monster und Warby Parker
Damit die Technik im Alltag möglichst unauffällig wirkt, arbeitet Samsung mit Gentle Monster und Warby Parker zusammen. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Fassungen entwickelt.
Die Variante von Gentle Monster ist modischer und auffälliger gestaltet. Warby Parker setzt dagegen auf einen eher klassischen Brillenlook. Weitere Farben, Formen und Gläser sollen später folgen.
Samsung hat nach eigenen Angaben besonders auf eine angenehme Passform im Bereich der Stirn und der Ohren geachtet. Ob die Brille auch bei längerer Nutzung bequem bleibt, müssen allerdings erst unabhängige Tests zeigen. Kamera, Lautsprecher, Akku und Prozessor sorgen zwangsläufig für zusätzliches Gewicht.
Funktioniert die Samsung-Brille auch mit dem iPhone?

Google hatte bereits bei einer früheren Vorstellung erklärt, dass die intelligenten Audiobrillen sowohl mit Android-Smartphones als auch mit iPhones verbunden werden können.
Grundlegende Funktionen dürften somit nicht ausschließlich Nutzern eines Samsung-Smartphones zur Verfügung stehen. Die vollständige Einbindung in Apps wie Samsung Notes sowie bestimmte Steuerungsmöglichkeiten könnten jedoch ein Galaxy-Gerät oder eine Galaxy Watch voraussetzen.
Welche Unterschiede es zwischen der Nutzung mit einem iPhone, einem anderen Android-Gerät und einem Galaxy-Smartphone geben wird, ist bislang noch nicht bekannt.
Preis und Deutschlandstart noch offen
Samsung hat weder einen endgültigen Produktnamen noch einen konkreten Preis genannt. Auch ein genauer Termin für den Verkaufsstart in Deutschland steht noch aus.
Google hatte intelligente Audiobrillen zunächst für den Herbst 2026 in den USA angekündigt. Ob Samsung sein Modell zeitgleich auch in Europa anbieten wird, bleibt abzuwarten.
Zu den größten offenen Fragen gehört außerdem der Datenschutz. Eine Kamera, die dauerhaft auf Augenhöhe getragen wird, kann bei anderen Menschen schnell für Unsicherheit sorgen. Samsung muss daher deutlich sichtbar machen, wann Fotos oder Videos aufgenommen werden.
Auch bei den KI-Funktionen wird entscheidend sein, welche Daten direkt auf der Brille verarbeitet und welche Informationen an Server übertragen werden.
Samsung Smart Glasses: Viel Potenzial, aber noch viele offene Fragen
Die Samsung Smart Glasses zeigen, wie persönliche KI-Assistenten künftig genutzt werden könnten. Gemini befindet sich nicht mehr nur auf dem Smartphone, sondern begleitet den Nutzer direkt durch den Alltag.
Die Kombination aus Kamera, Übersetzung, Navigation, Nachrichtenfunktionen und bis zu neun Stunden Akkulaufzeit klingt vielversprechend. Durch die Zusammenarbeit mit Gentle Monster und Warby Parker möchte Samsung zudem vermeiden, dass die Brille wie ein sperriges Technikprodukt aussieht. Bis zum Verkaufsstart müssen jedoch noch wichtige Fragen geklärt werden. Dazu gehören der Preis, die Verfügbarkeit in Deutschland, der tatsächliche Tragekomfort und der Umgang mit Kamera- und Nutzerdaten. Dennoch könnte die intelligente Brille zu einer der interessantesten Erweiterungen des Galaxy-Ökosystems werden.
Quelle: Samsung